Ahnen der Familie Bormann, Uhrsprung aus Witten /Ruhr, Geschichte der Familie Bormann, Familienforschung, Genealogie, Wappen der Familie Bormann, Personendaten der Ahnen,

Familie Bormann

Ahnen der Familie in Personendaten 

Anfang
Kurzgeschichte
Geschichte
Wappen
Personendaten

Links

 Datenerfassungsbogen
Datenbogen
Geschichte der Familie:
Zur Vor- und Frühgeschichte einer Familie gehört ihre Umwelt. Diese und ihre Veränderungen deutlich zu machen, ist um so wichtiger, je weniger Einzelheiten der Familie selbst uns bekannt sind. Aus der Entwicklung ihrer Umgebung lassen sich Wahrscheinlichkeiten auch für die Familie ableiten. Fragwürdig allerdings wird ein solches Unterfangen, wenn genaue Daten auch des Gebietes lückenhaft sind oder zeitweise ganz fehlen. Dies trifft leider zu für Witten in der Frühzeit und z.T. auch später. Daher sind allzu große Erwartungen in die Genauigkeit des Folgenden nachdrücklich einzuschränken! Anderseits erscheint nicht vertretbar eine grundsätzliche Ablehnung von Wahrscheinlichkeiten, die nur aus Überlieferungen abgeleitet ist; nur weil letzte Beweise wissenschaftlichen Maßstabes fehlen. Hierbei wäre der endgültige Verlust letzten, lückenhaftem Wissen schwerwiegender, als der Anspruch auf zweifelsfreie Beweise, die praktisch gar nicht mehr zu erbringen sind. Wo Sicherheit fehlt, dort ist die Wahrscheinlichkeit der nächsthöhere Wert. Diesen aus der Vorgeschichte unserer Familie festzuhalten, ist mein Versuch. Zweifel in Einzeldingen sind durchaus berechtigt. Im Ganzen ist die Glaubwürdigkeit der Überlieferung aber gegeben, um so mehr, als größere Verschiebungen im Raum während des langen Zeitabschnittes 700 – 1700 nach Chr. kaum stattfanden. Vor unserer Zeitrechnung ist das Gebiet an der Ruhr schon sehr früh besiedelt gewesen. Viele Funde belegen dies. In den ersten Jahrhunderten unserer Zeit war die beherrschende und tragende Macht im europäischen Raum das römische Imperium. Seine Nord- bzw. Ostgrenzen waren lange Zeit Main und Rhein. Zur Sicherung dieser Grenzen bauten die Römer Befestigungsanlagen, besonders als die Verteidigung vorher eroberter Gebiete nötig wurde. Dringlich wurde dies, als mit der Völkerwanderung besonders die Germanen immer mehr nach Süden drängten. Für unser Gebiet hatten die noch heute erkennbaren Befestigungen bei Xanten Bedeutung. Mit diesen rein militärischen Mitteln gelang die römische Verteidigung auf Dauer aber nicht. Daher bediente man sich nun zunehmend eines anderen Systems. Einzelne Germanenstämme wurden von den welterfahrenen Römern zunächst zu Handelspartnern, später sogar zu Verbündeten gemacht. Vorübergehend brachte diese Taktik den Römern Verteidigungserleichterung, führte aber letztlich zu ihrem eignen Untergang. Die Germanen erlernten schnell römische Fähigkeiten und setzten sie erfolgreich gegen ihre Lehrmeister ein. Um 350 nach Chr. überschreitet ein starker Germanenverband den Rhein westwärts und verdrängt die Römer aus deren wichtiger Provinz Gallien. Diese Franken werden nach Vermischung mit Römern und keltischen Ureinwohnern (Romanisierung) zu Begründern des späteren Frankenreiches, das nicht nur im europäischen Raume überragende Bedeutung erlangt, sondern auch für uns in Witten. Vor und auch nach den Franken haben andere Germanenstämme an der Ruhr gesessen. Die Sigamberer sind nicht die Einzigen, die der damals allgemeinen Bewegung nach Westen folgen. Nach und nach nimmt ein neuer starker Verband die fast leer gewordenen Gebiete ein, - die Sachsen. Sie kommen von Norden. Um 550 finden wir sie etwa an der Ems. Erst ein Jahrhundert später haben sie unseren Raum erreicht. Zu gleicher Zeit etwa endet ihre weitere Ausdehnung, denn nun setzt ein gewaltiger Gegendruck von Westen her ein. Das Frankenreich, nach vergangenem römischem Vorbild gut organisiert, beendet nicht nur die Völkerwanderungszüge; es kehrt deren lange andauernden West-Trend wieder Richtung Osten um. Die Sachsenkriege Karls des Großen bringen nicht nur die Christianisierung, sie sind vorrangig - Eroberungen! Nach dieser Schau der großen Zusammenhänge kehren wir nun wieder nach Witten zurück. Die Besitznahme durch die Sachsen hat vermutlich allmählich in mehreren Wellen stattgefunden. In Witten dürften zunächst kaum mehr als zehn Sachsenfamilien begonnen haben. Neben der Nahrungsbeschaffung war die Sicherung in einer fremden und gewiss nicht nur gutfreundlichen Umwelt vorrangig. Hierzu war aber diese kleine Gruppe viel zu schwach. Zwangsläufig bildet sich ein ausreichend großer Zusammenschluss, der etwa die heutigen Orte Düren, Ley, Öspel, Wullen, Annen, Witten und anderen, vor allem aber Stockum erfasst. Ob die Namensdeutung Stock = Basis richtig ist, mag zweitrangig bleiben, doch ist der "Gau Stockum" geschichtlich der "Oberhof", der heutige Gerdes-Hof dort, sein Mittelpunkt. Rechtliche Tatbestände dieses Verbandes haben sich bis zur Aufteilung der Gemeindemarken, also bis ins späte 18. Jahrhundert, erhalten!! Der Oberhof ist nicht nur Sitz des Gau-Ältesten und Beratungs- wie auch Gerichtsstätte aller Gau-Zugehörigen; er ist auch ausgebaute Fluchtburg in Notzeiten. Deshalb ist er nicht nur der mit Abstand größte Hof, sondern auch der strategisch sicherste. Seine Zufahrten sind leicht sperrbar. In Kriegszeiten halten sich hier nicht nur die Frauen und Kinder auf, hier wird auch das kostbare Vieh untergebracht. Hierfür müssen Vorräte gelagert werden. So hat der Oberhof zunächst eine Vorsorge-, Schutz- und Betreuungsaufgabe. Um diese zu ermöglichen, werden dorthin gern und freiwillig von allen Gau-Zugehörigen regelmäßig Vorräte für Notzeiten eingelagert. Aus dieser Vorsorgegewohnheit entwickelt sich die Abgabe zunächst "der dritten Garbe", später des so genannten "Zehnten". Diese zunächst freiwillige Gewohnheit wird allmählich in eine Gutsherrschaftliche Forderung übergegangen sein, die ihre krassesten Formen in der Leibeigenschaft des Mittelalters erreichte. Auch waren Dienstleistungen für den Oberhof zu erbringen wie Befestigungsbau, Sicherung der Zufahrtsstraßen usw. Sie sind die Ursprünge aus denen sich später die Frondienste entwickelten. Festzuhalten aber ist dies: Der alte sächsische Oberhof ist nicht ein Herrensitz im späteren Sinne, er hat keine Machtfunktion über andere, oder gar Untergebene. Der Gau-Älteste ist Erster unter Gleichen. Er hat wohl eine wesentlich größere Vorsorge- und Betreuungspflicht gegenüber seinen "Zugehörigen". Zur Erfüllung dieser Pflicht sind seine Befugnisse sehr groß. Ihre Inanspruchnahme aber hat er stets voll und ganz zu verantworten. Sein Amt ist erblich. Ernährung und Wehrsicherung waren vordringlich im jungen Sachsengau Stockum, doch man brauchte mehr! Wir modernen Menschen mögen Schwierigkeiten haben für unsere Beziehungen zu oder von Gott Formen und Ausdruck zu finden. Möglicherweise hatten es unsere Ahnen vor zwölfhundert Jahren einfacher in Ihrer gewachsenen, ungestörten, lebendigen Beziehung zur Natur, auch in der bewussten Abhängigkeit von dieser. Wodan war Gott und in hohem Ansehen stand sein Priester. Er hatte aus der Familie des Gau-Ältesten zu stammen. In den ersten Jahrhunderten der Sachsenzeit gab es im Wittener Großraum zwei, heute noch belegbare Hauptkultstätten. Die Sigisburg, das heutige Hohen-Syburg und der Bons-Hof am Pferdebach in Witten. Bonshof = Wodanshof, wir sind dem Kern sehr nahe.- Es ist nicht wesentlich ob der Bons-hof ursprünglich schon zur Wittener Ursiedlung gehörte, oder ob er die Kultstätte des Stockumer Gaues war und erst später in die anfangs bedeutungslose Gemeinde einbezogen wurde. Bemerkenswert mag hierzu sein, dass die Bormann´s auf dem Bormann-Hof noch Jahrhunderte nach dem Ausscheiden Wittens aus dem Stockumer Verband stetig dorthin ihre Familienbeziehungen entwickelten. Heute noch bestehende Straßen und Gemarkungsnamen belegen die hohe Wahrscheinlichkeit für die von Haren 1924 festgehaltene Überlieferung: "Der Bons-Hof, später in vermutlich christianisierter Veränderung -to dem borne- genannt, lag an de peyerbeke", am Pferdebach, weil dort im "Eschjey", einer mit Eschen bestandener Weidefläche die dem Gotte Wodan geweihten Pferde weideten. Zu den hohen Festen, dem Jul, und dem Sonnenwendfest wurden von dort das Opfertier geholt vom Bon-Koch, der nach intensiver Reinigung im Pferdebach bei Schlachtung und Opferung dem Priester assistierte. Dies geschah im "hilligen Haus" (stand dort, wo das heutige Diakonissenhaus steht). Anschließend wurde das große Gemeinschaftsmahl gehalten, wobei das Opfertier verspeist wurde. Nachmittags dann fand man sich bei Spiel und Tanz am Abhang des "crengeldanz". Dabei hatte der Priester eine Tonne Bier zu stiften, wofür er u.a. 10 Ziegen ein Jahr lang auf dem "Haidacker" weiden durfte. (Haidacker - Heidrun - die Weltziege, aus deren Euter der Sage nach, die Götter Jugend und Weisheit zogen.) Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass noch Anfang des vorigen Jahrhunderts die Sitte bestand, dass zur Wittener Kirmes (Kirchweihfest) der Bormanns-Hof eine Tonne Festbier zu stiften hatte! Alte Sitten haben also manchmal länger Bestand, als Religionen, aus denen sie erwuchsen! Ehe später Jahrhunderte neue Vorder- und Hintergründe schaffen, wollen wir an dieser Stelle, dem Ausgang des achten Jahrhunderts aus dem bisherigen versuchen, Tatsachen und Möglichkeiten zu trennen: Sicher dürfte sein, die Begründung des Gerdeshofes zu Beginn der sächsischen Landnahme um 700. Eindeutig war der Bons-Hof Sitz des Wodan-Priesters und Mittelpunkt des Kultgeschehens. Unstrittig ist auch, dass der ursprüngliche Bons-Hof, später -to dem borne - schließlich Bormann-Hof, derselbe ist. Den Nachweis zu führen, dass die Begründer des Bonshofes um 700 die direkten Vorfahren seien der um 1508 erstmals urkundlich dort erwähnten -Bormann-, ist völlig ausgeschlossen. Gewichtige Merkmale sprechen durchaus dafür, jedoch nicht mehr! Dies aber ist viel! - Um 800 beendet das Frankenreich unter Karl d. Großen die Unterwerfung der Sachsen militärisch siegreich. Diesem Sieg gingen lange und äußerst erbitterte Kriege voraus, deren Länge und Grausamkeiten bei den Unterlegenen einen Hass hinterließen, der nie zu versöhnen war und dessen Folgefäden bis in die Neuzeit reichen. Schon zu Beginn der Sachsenkriege erhält der Wittener Raum eine besondere Bedeutung. Die Ruhr war für die Franken ebenso ein Vormarschhindernis wie für die Sachsen eine Verteidigungsstärkung. Bei Witten bestand eine gute, vermutlich noch aus römischer Zeit stammende Brücke. Diese hatte eine überragende strategische Bedeutung, nicht nur währen der Kämpfe in diesem Raume, sondern auf Dauer auch für den Nachschub. Vorrangig zu ihrer Sicherung erhält Witten eine starke Militärgarnison. Ein dem erobernden Frankenkönig treu ergebener Adliger wird nicht nur deren Kommandeur, sondern zugleich Statthalter und Zwingherr in dieser Region. Bemerkenswert ist hierbei, wie sehr gerade dieser Mann in Witten ausgestattet wurde mit erheblichen zusätzlichen Rechten und hierzu erforderlichen Machtmitteln. Er und seine Nachkommen, die Reichsfreiherrn von Witten, waren nur dem Reichsoberhaupt unmittelbar verantwortlich und keinem Lehnsherrn sonst. Sie besaßen Rechte, wie das der eigenen Zölle, des "Hohen Gerichts" (über Kopf und Hals. = Todesstrafe). Sie waren damit deutlich herausgehoben gegenüber vergleichbaren adligen Standesgenossen allgemein, wie auch denen der Region, der späteren Mark. Die Freiherrn von Witten wie auch deren Rechtsnachfolger haben diese ihre Sonderrechte zu wahren gewusst bis ins 19. Jahrhundert gegenüber ihren Nachbarn, wie auch mehrfach gegenüber Kaiser und Reich. Die Gründe dieser Sonderstellung sind nicht mehr feststellbar. Daher sei es erlaubt, hierzu Vermutungen anzustellen. Ganz sicher ist die Brücke einer der ursprünglichen Anlässe, aber nicht der einzige. Die Sachsenkriege dauerten lange und waren eine Vielzahl von Unternehmungen mit beiderseits oft wechselnden Erfolgen. Die Vermutung drängt sich geradezu auf, dass beide Seiten äußerste Anstrengungen unternahmen um in den Besitz solch strategisch überaus wichtiger Punkte zu gelangen, mehr noch, auf Dauer in deren Besitz zu bleiben! Dies letztere war für die Franken sicher die größere und langwierigere Aufgabe. Militärische Macht allein genügte hier nicht. Die nähere und auch die weitere Umgebung und deren Bewohner waren nicht nur zu beherrschen, sondern möglichst zu befrieden, und dies schnell und dauerhaft. Bei der Zähigkeit und dem Stolz der Sachsen erforderte eine solch Aufgabe besonderes Geschick und diplomatische Fähigkeiten. Hier dürfte die Quelle zu suchen sein, der deutlichen Sonderprivilegien der Wittener Standesherren. Zunächst erhält Witten einen eigenen Oberhof. Wohl als Gegenstück zu Stockum. Dieser ist und bleibt Lehensabhängig. Witten, bis dahin zum Stockumer Gau gehörig, wird hier heraus gelöst, sicher um beide gefügiger zu machen. Die Kirchengründung in Witten, die eines Klosters in der Nähe, sollen die Christianisierung des Raumes ermögliche. Zunächst aber muß der Wodanskult verschwinden, der bei den Sachsen tief verwurzelt, als Basis des Untergrund-Widerstandes sehr wohl eine große Rolle spielte. Gewiß ist, dass der Stockumer Oberhof einen adligen Oberherren erhielt, der vermutlich die Familie des bisherigen Gau-Ältesten als abhängige Pächter beließ. Damit war das Zentrum des Gaues unter Kontrolle. Ähnliches hat sich vermutlich auf dem Bonshof begeben. Zunächst verschwindet dieser Name völlig. An seine Stelle tritt -to dem borne- = an der Quelle- (des Pferdebaches). Letzterer blieb. In Urkunden aus dem Jahre 1403 finden wir einen "Hermann von Witten - genannt, to dem borne". Dieser Mann entstammt einer Seitenlinie derer von Witten. Er war nachweislich Hauptmann der Dortmunder Stadtsoldaten, und dürfte mit Sicherheit nicht Bauer auf dem Hofe gewesen sein und ebenso wenig unser Ahnherr. Groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Mann eine besondere Kontrollfunktion hatte gegenüber den Nachfahren der alten Wodans- Priester. Hier und auf dem Gerdeshof hat sich mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr lange der untergründige, sächsische Widerstand gegen die fränkischen Eroberer gehalten. Verständlich wird dieser lange und äußerst zähe Sachsen-Widerstand erst mit der Erkenntnis, dass diese Kriege nicht nur um Gebiete und politische Rechte geführt wurden, sondern ebenso um Religionen. Der Fanatismus aus diesem Beweggrunde auf beiden Seiten hat die Befriedung der ganzen Region sehr lange erschwert. Ohne Zweifel sind die Franken bei der Einführung des Christentums und danach nicht immer nur "christlich" vorgegangen. - Die folgenden Jahrhunderte sind in Europa allgemein die Zeit der ritterlichen Grund- und Standesherren. Gegen deren Herrschaftsansprüche können zwar die meisten Städte ihre Rechte wahren, nicht aber die Bauern. Krasseste Unterdrückung bis zur Leibeigenschaft im süddeutschen Raum gibt es zwar im Norden westlich der Elbe nicht, doch werden auch hier die Forderungen der adligen Standesherren immer härter. Tiefpunkt dürfte hier die Zeit um 1400 gewesen sein. Überliefert ist aus dem Jahre 1506, dass die Wittener Bauern in der "Freien Stadt Dortmund" Klage erhebend erschienen und Beweis und Kundschaft forderten, ob sie "freye Reichsleute seien oder dienende Stellung hätten". Vom Bürgermeister und Rat wurden ihnen das erste voll bestätigt. Auflehnende Proteste ähnlicher Art gab es in der Folgezeit mehrfach und wiederholt sind Bormänner als Wortführer überliefert. So hat sich also während eines langen Zeitraums von 700 Jahren, trotz sicher mancherlei Veränderungen im gegensätzlichen Verhältnis unserer Vorfahren zu den vom Reich verordneten Zwingherren gar nichts geändert. Zu untersuchen bleibt noch, wie unsere Vorfahren im Mittelalter einzuordnen sind. Eine zeitweilige vermutete direkte Abstammung unserer Ahnen aus dem Geschlecht derer - von Witten -, halte ich aus genannten Gründen für ausgeschlossen. Für falsch halte ich allerdings auch die Fußnoten-Anmerkung des BGB 104 auf Blatt 1, unserer 1939 niedergelegten Familiengeschichte, wonach im Mittelalter der Bormann-Hof von Pächtern bewirtschaftet wurde. Richtig ist, dass die Bormänner und ihre Vorfahren -to dem borne- "freie Erbgesessene" waren. Dieser eindeutig überlieferte Begriff für die beiden größten Wittener Höfe, darunter der Bormann-Hof, bedarf kaum einer Erläuterung, dennoch mögen einige Anmerkungen hier dienlich sein. Pächter sind kündbar, ihr verhältnismäßig häufiger Wechsel liegt damit im Bereich natürlicher Abläufe. Dem gegenüber ist der kontinuierliche Erbgang des Erbgesessenen vorgegeben. Die ursprünglich freiwilligen Abgaben und Leistungen an die eigenen sächsischen Oberhöfe sind später von den fränkischen Standesherren als Zwangsabgabe gefordert worden. Dies allein, ohne Rücksicht auf die Höhe der Forderungen, wurde als drückend, ja entwürdigend empfunden. Dem Versuch, Forderungen ständig zu erhöhen, stand die stetige sich verstärkende Abwehr gegenüber. Schon damals war man recht erfinderisch bei der Geldbeschaffung der Obrigkeit. Es gab einen Brücken- und Wegezoll, einen Mühlenzwang, ein Kesselgeld (eigener Bierbrau), Marktgebühren, Ellengeld (Flachsanbau-Leinenweberei) u.a. Daneben gab es den so genannten "Großen Zehnt" eine jährliche Ertragsabgabe, die Pächter für alle Ländereien zu leisten hatten, die Erbgesessenen nur für einige, genau bezeichnete. Dieser Zehnt ist in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts abgelöst worden. Unabhängig von dieser Ablösung führte der Staat dann die Einkommensteuer ein, auch in der Höhe durchaus mit dem früheren Zehnt vergleichbar! - Bezeichnungen und Empfänger mögen wechseln, in der Sache ändern Abgaben sich kaum! - In der Hochzeit der ritterlichen Standesherren um 1400 konnte der Zwang des "Gewinngeldes", mit dem der Nachfolger eines durch Tod ausscheidenden Pächters den Hof neu "gewinnen", musste zeitweilig auch auf die Erbgesessenen ausgedehnt werden. Diese Abgabe war verhältnismäßig hoch und entsprach etwa der halben heutigen Grunderwerbssteuer (ohne Erbfolgebefreiung!). Mit diesem Zwang wurden die "freien Erbgesessenen" tatsächlich in die abhängige Pächterrolle gedrängt, Wenn auch nur vorübergehend. - Der Bormannshof war damals abgabenpflichtig nach Witten-Steinhausen mit einigen, nicht allen, Ländereien. Einer der Hauptstämme der Bormänner bewirtschafteten den Stammhof bis zum Jahr1868. In diesem Jahr1868 brannte der Hof ab und ist nicht wieder aufgebaut worden. Nachdenklich mag stimmen die Ursache dieses Brandes: Man wollte Eulen, die in den hohlen Weiden bei dem Hause nisteten, mit Feuer vertreiben! -Kurze Zeit später starb dieser Hauptstamm unserer Familie aus. Bis hierher konnten wir verfolgen die Rolle des Stammhofes in seiner Umgebung und die wahrscheinliche Entwicklung unserer Vorfahren. Ein uraltes Bauerngeschlecht mit mehr als tausendjähriger Vergangenheit ist ein nicht alltägliches Merkmal einer Familie. Mir schien es wert, dies festzuhalten. - Schon im frühen Mittelalter entwickelten Handel, Handwerk, Wissenschaften, Verwaltung und in der Neuzeit die Industrie sich selbst und damit ihre Umgebung zu neuen Formen und Aufgaben. Der bäuerliche Berufsstand tritt in seiner Bedeutung scheinbar zurück. Fast alle Glieder unserer heutigen Großfamilie wirken in Berufen, die kaum noch etwas mit dem bäuerlichen zu tun haben. Nicht diesem zur Ehre, sondern sich selbst und der eigenen Kleinfamilie zum wirklichen Nutzen mag die Erinnerung und Besinnung auf Herkunft und Ursprung - dienen. Hierin liegt der eigentliche Sinn familiengeschichtlicher Arbeit. Hierfür ist allerdings die aktive Mitwirkung jedes einzelnen Gliedes nötig. Hierum bitte ich, und werde ggf. nicht müde zu mahnen. 
                                                                                            Günter Bormann  Kleve, Jan. 1982

Anfang